Die Foto- und Diasammlung

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Das Bildgedächtnis der Hamburger Kunstgeschichte

24. November 2016 ankenapp Keine Kommentare

Willkommen auf dem neuen Blog des Foto- und Diaarchivs des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg! Hier werden Sie von nun an einige Schätze aus unserem Bestand von fast 1 Million Fotos und Diapositiven bewundern können.

Beide Archive wurden simultan seit der Gründung des Lehrstuhls 1921 aufgebaut und kontinuierlich bis 2008 durch Anfertigungen, Ankäufe, Übernahmen anderer Institute und Schenkungen im In- und Ausland erweitert. Weitgehend unbeeinträchtigt durch den II. Weltkrieg hat sich so ein bedeutender Schatz für die Wissenschafts- und Fotografiegeschichte erhalten.

Ein Großdiakasten made in Hamburg

18. September 2018 ankenapp Keine Kommentare

Hunderte solcher Diakästen aus Spezialpappe beherbergen die Glasdias des Kunstgeschichtlichen Seminars. Alle wurden in etwa nach dem gleichen Schema gefertigt – nur die Ältesten haben einen Zugring anstelle des Stoffbandes vorn, sowie die Farbe und Länge der Kästen ist leicht unterschiedlich. In einen dieser praktischen Klappkästen passen rund 80 Glasdias mit Separatorkärtchen für die Gliederung.

Unsere älteste noch erhaltene Bestellung dieser Kästen bei der damaligen Buchbinderei Trux Jörgensen stammt aus dem Jahr 1932 und wurde noch von Professor Erwin Panofsky in Auftrag gegeben. Damals kosteten 12 Kästen 34,80 Reichsmark.  Nach dem II. Weltkrieg wurde die Beschaffung der Kästen schwierig, zumal nun bald immer größere Mengen Dias vom Seminar angefertigt wurden und aufbewahrt werden mussten. Um die Dias provisorisch unterzubringen, wurden Kastenkuchenformen benutzte (auch diese eine Spezialanfertigung), die jedoch bedeutend billiger als die Pappkästen  und vor allem schneller verfügbar waren! Bis weit in die 1960er Jahre fertigte die Buchbinderei Singer unsere Diakästen, anschließend kam der Auftrag – zum Verdruß des Seminars, denn die Qualität ließ zu wünschen übrig – an die Gefängnis-Buchbinderei.

Über Jahrzehnte haben es die Pappkästen geschafft, unsere Dias auch unter widrigen Umständen im Keller trocken und schimmelfrei und auch weitgehend staubfrei zu halten.

Der hier abgebildete Kasten trägt einen weißen Punkt als Zeichen, dass sein Inhalt digitalisiert wurde und nun auf die Einarbeitung in die Datenbank wartet.

 

Bild des Monats: September 2018, aus dem Fotoarchiv

30. August 2018 ankenapp Keine Kommentare

Dieses auf Pappe montierte Foto (Originalgröße des Kartons 36×26,5 cm, beim Scan beschnitten) zeigt den Chor der Kirche San Stefano in Verona. Die davor befindlichen halb abgerissenen Anzeigentafel laden unter anderem zu einer Wallfahrt nach Lourdes (rechts). Oldtimerfreunde dürften sich wohl von den beiden alten Fiats vor der Kirche angesprochen fühlen!

Das Foto wurde im August 1968 aufgenommen, wie der Vermerk auf der Pappe rechts unten zeigt. Eine Inventarnummer trägt es nicht. Rechts oben auf der Pappe (hier nicht lesbar) ist die Nummer der Fotobox geschrieben: Nr. 6139 „Italien / Mittelalter / Orte S-Z“.

Geballtes Wissen

17. August 2018 ankenapp Keine Kommentare

So sieht es aus, wenn der Inhalt von nur fünf unserer Kleindiaschränke ausgebreitet wird! In diesem Fall ist es die Abteilung KÜNSTLER (Maler, Grafiker, Architekten und Ähnliches). Jedes blaue Schildchen steht für einen Künstlernamen, die anderen Schilder verweisen auf Gattungen und Motive. Das Foto entstand am 16.8.2018.

Zwei Glasdias in Hildesheim

08. August 2018 ankenapp Keine Kommentare

Zwei unserer Glasdias von der Firma Stoedtner mit Motiven der berühmten Hildesheimer Bernwardsäule waren von Mai bis Anfang August im Dommuseum Hildesheim als Leihgaben zu sehen. Ich danke den Kuratoren für die gelungene Präsentation des schwierigen Materials! Beide Dias lagen auf einem einfachen Pappaufsteller mit einer Perforation unter dem Bildfeld, so dass selbst die schwache Oberbeleuchtung alles gut erkennen ließ.

Die Hamburger Diasammlung war die Einzige, in der diese beiden Exemplare noch vorhanden waren.

Bild des Monats August 2018: Aus dem Fotoarchiv: „Vor der Kirche“

01. August 2018 ankenapp Keine Kommentare

Diese großformatige Fotografie (Originalgröße 27,5 x 38 cm) zeigt das romanische Südportal der Kirche Notre-Dame-du-Port in Clermont-Ferrand (Frankreich).  Der Albuminabzug trägt in den unteren Ecken zwei runde Prägestempel, die im Digitalisat nicht zu erkennen sind. Links der Stempel des Ateliers: „Paul Robert, Paris“, rechts der Stempel „Monuments historiques“ – wohl ein Hinweis, dass dieser Abzug der Serie denkmalgeschützter Bauwerke zugehörig ist.

Der Trägerkarton trägt oben rechts die Signatur M. F /Pl = Mittelalter, Frankreich, Plastik und ist auf der Rückseite mit dem bis in die 1930er Jahre gültigen Stempel „Kunsthistorisches Seminar der Hamburgischen Universität“ bestempelt.

Das Foto beeindruckt durch seine Plastizität. Selbst im dunklen Inneren der Kirche sind auch außer den Fenstern noch Strukturen und Lichter zu erahnen, die den Betrachter förmlich hinein ziehen und zu weiterer Erkundung (in weiteren Fotos) anregen. Doch noch mehr ins Auge fallen die beiden Frauen auf den Stufen des Portals, von denen eine den Fotografen und damit uns direkt anblickt. Sind es Bettlerinnen, die auf ein Geldstück von den Besuchern der Pilgerkirche warten? Oder verkaufen sie Andenken, wie der Korb der linken Frau denken lässt? Den Fotografen scheinen sie nicht gestört zu haben, obwohl sie nicht arrangiert wirken. Im Gegenteil, der mürrische Blick scheint eher zu sagen ‚Wir sitzen hier immer, wir gehen auch für deine Kamera nicht weg‘. Auf jeden Fall erheben die beiden Frauen das ehrwürdige Bauwerk von einem lediglich kunsthistorisch interessanten Ort zu einem lebendigen, religiösen und sozialen Platz.

Ein kühles Bad…

24. Juli 2018 ankenapp Keine Kommentare

…wünschen wir uns sicherlich angesichts der hochsommerlichen Temperaturen nicht nur in Hamburg!

Auf diesem Glasdia (Originalgröße 8,5 x 10 cm) sehen wir im Vergleich zwei Handschriftenminiaturen mit der aus dem Alten Testament stammenden Szene „David und Bathseba“. Laut Bibel beobachtet König David die junge Dame beim Baden – hier links dargestellt in einem mittelalterlichen hölzernen Waschzuber, rechts in einem in dem Boden eingelassenen Bassin. Beide Miniaturen stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die linke mit dem Waschzuber befindet sich in der Bayerischen Staatsbibliothek in München, die rechte mit dem ‚Swimmingpool‘ in der Bibliothèque Nationale in Paris.

Das Dia wurde von den ‚Optisch-Mechanischen Werkstätten A. Krüss‘ in Hamburg hergestellt, einem alten und noch immer existenten optischen Betrieb. Es wurde in der ersten Hälfte der 1920er Jahre erworben, wie die Inventarnummer (rechts oben) 1825 zeigt und von Erwin Panofsky – damals wohl noch nicht offizieller Lehrstuhlinhaber für Kunstgeschichte – beschriftet. Da es damals nur ein Projektionsgerät am Hamburger Seminar gab, wurden die Vergleichsbilder auf einer Glasplatte untergebracht.

100ster Diakasten digitalisiert!

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Großdiakästen

Eine Gelegenheit zum Feiern! In den vergangenen knapp zwei Jahren wurde der Inhalt von hundert Diakästen digitalisiert – über 6000 Großbilddias! Von diesen befinden sich etwa 5700 bereits erschlossen in der Datenbank.
Im Laufe der Zeit haben wir unser Know-how zur Dia-Digitalisierung vertieft und das Verfahren weiter ausgefeilt, um sowohl beste Qualität als auch größtmögliche Effektivität zu erreichen: die Dias werden mit Wasser vorsichtig geputzt, auf einem Leuchtpult mit Reprostand und Blitzlampen links und rechts fotografiert und anschließend mit Photoshop endbearbeitet.

Aus neu mach alt?

13. Juli 2018 ankenapp Keine Kommentare

Diese Fotografie stammt aus dem Nachlass des Kunsthistorikers und Reisedienstleiters Karl-Otto Wolff, der sich seit 2005 am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg befindet. Sie entstand 1989 und zeigt eine Partie des Alten Marktes in Potsdam – einen Bauzustand, der heute so nicht mehr existiert. Zwar steht die Nikolaikirche noch an Ort und Stelle, auf der rechts unten zu sehenden Baustelle wurde jedoch das Residenzschloss rekonstruiert, und 2018 musste auch das markante Gebäude des ehemaligen „Instituts für Lehrerbildung“ im Zentrum der Fotografie den Abrissbaggern weichen. Der zwischen 1970 und 1974 von Sepp Weber entworfene Bau mit Betonguss-Fertigelementen als Fassadenzier beherbergte Unterrichtsräume, eine Mensa und Dienstleistungseinrichtungen.

An seiner Stelle sollen nun „Alt“bauten aus der Zeit Friedrichs des Großen rekonstruiert werden, die den im II. Weltkrieg zerstörten historischen Altmarkt wieder auferstehen lassen. Verschiedene Bürgerinitiativen sammelten Unterschriften und strebten ein Bürgerbegehren gegen die Umgestaltung und zum Erhalt des Baus des ehemaligen „Instituts“ an. Trotz ausreichender Unterschriftenzahl von mehr als 10 Prozent der Stimmberechtigten wurde das Bürgerbegehren von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt, was das Verwaltungsgericht nach Klage durch die Initiatoren im März 2017 für zulässig befand (Quelle: Wikipedia, nach Zeitungsartikel in der MAZ online).

Hier ist eine in der FAZ erschienene Kritik dieser Abrisspolitik zu lesen.

Bild des Monats Juli 2018: aus dem Fotoarchiv: ein mönchisches Stillleben

02. Juli 2018 ankenapp Keine Kommentare

Dieser 19×24 cm große Albuminabzug aus der Fotothek des Hamburger Kunstgeschichtlichen Seminars, vermutlich aus der Werkstatt der Fratelli Alinari, zeigt nicht nur ein Detail des Kreuzgangs der Kartause in der Nähe von Florenz, sondern überrascht mit einer pittoresken Gruppierung der dort lebenden Mönche, die den kunsthistorischen Aspekt des Kreuzgangs in den Hintergrund drängen. Eine Wiedergabe des Klosteralltags sollte dieses arrangierte Gruppenfoto, das dem heutigen Betrachter an ein Kinoplakat für den „Namen der Rose“ erinnert, sicher nicht sein. Zumal den Kartäusern, einer der strengsten monastischen Orden, sehr an Zurückgezogenheit und Abstand zur Außenwelt gelegen war. Noch weitere Fotografien dieser Serie aus der Kartause zeigen Mönche beim Gebet, beim Wasserholen am Brunnen und in divesen Räumlichkeiten des Klosters. Auch diese Szenen sind arrangiert, um nicht zu sagen durchkomponiert. Den Mönchen scheint dabei die Rolle der „exotischen Eingeborenen“ auf zeitgenössischen Orient- oder Afrikafotos zuzukommen. Sie beleben die alten Mauern und Kunstwerke mit einem romantischen, exotisierenden Element.

Die Certosa San Lorenzo di Galluzzo war im Mittelalter und von 1866 bis 1958 von Kartäusermönchen besetzt (heute von Zisterziensern). Vielleicht entstanden diese Fotografien als eine Art Werbung für das Kloster kurz nach dessen neuer Besiedelung. Die Fotoserie gelangte über die Schenkung „Stettiner-Weiss-Gottschewski“ Anfang der 1920er Jahre in die Sammlung der Fotothek

(Un)schuldig!

26. Juni 2018 ankenapp Keine Kommentare

Dieses Kleinbilddia (Originalgröße mit Rahmen 5×5 cm) zeigt das „Marx-Engels-Forum“ in Berlin mit den Statuen der beiden Sozialphilosophen vor der Spiegelglasfassade des „Palastes der Republik“. Es stammt aus einer Schenkung, die dem Kunstgeschichtlichen Seminar zum Aussortieren des Brauchbaren überlassen wurde. Auf den ersten Blick scheint diese Privataufnahme ein harmloses touristisches Relikt und – ohne Vergrößerung betrachtet – auch uninteressant, zumal das Gegenlicht für eine relativ starke Abschattung der Figurengruppe sorgt. Am Ende des ersten Blickes rückte daher die Entscheidung ‚Papierkorb‘ in die Nähe.

Interesse weckte dann allerdings der Hinweis auf der Diaschachtel, dass die Aufnahme 1991, also kurz nach der Wiedervereinigung, entstand. Damit fiel die Entscheidung, das Dia und seine übrigen Begleiter quasi als Zeitdokumente zu bewahren und zu digitalisieren. Nach dem Scan und einer kurzen Bearbeitung offenbarte das Dia seine eigentliche Bedeutung als Zeuge der „Wende“ und der kulturellen, aber auch ganz persönlichen Probleme, mit denen sich die ehemaligen Bürger der DDR auseinandersetzen mussten: Auf dem Sockel des Denkmals stand offenbar der Schriftzug „Wir sind unschuldig“, womit wohl gemeint ist, dass die ursprüngliche Philosophie von Marx und Engels an den Entgleisungen im Sozialismus der DDR und der übrigen osteuropäischen Staaten nicht schuld sei. Ein zorniger Bürger (ob aus Ost oder West sei dahingestellt) übersprayte den Satz, so dass er sich nunmehr liest „Wir sind schuldig“. Eine andere (?) Person bemalte auch die Hände und Füße der Marxstatue mit roter Farbe, vermutlich, um die blutigen Hände der sozialistischen Staatsmacht zu versinnbildlichen. Ungeachtet dieser Attacken auf das Denkmal liegen auf dem Sockel neben Friedrich Engels auch einige Blumen.

Der „Palast der Republik“ ist seit langem abgerissen – an seiner Stelle befindet sich der fast fertige Neubau des alten Berliner Stadtschlosses. Das Marx-Engels Denkmal steht noch, wurde jedoch an einen anderen Platz an der Karl-Liebknecht-Straße versetzt.

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