Die Foto- und Diasammlung

custom header picture

Farbe – nein, danke!

17. Juni 2022 ankenapp Keine Kommentare

Über die Fokussierung der Kunstgeschichte auf schwarzweiße Reproduktionen wurde bereits geforscht. Hingewiesen sei an dieser Stelle auf die Publikation von

Monika Wagner und Helmut Lethen: Schwarzweiß als Evidenz > klick <

Diese Beispiele aus dem Fotoarchiv des Kunstgeschichtlichen Seminars illustrieren, warum. Die Kunsthistoriker hatten nicht nur mit „Schwarzweiß“ zu kämpfen, sondern eher noch mit Sepia in allen Schattierungen. Je älter das Material, desto mehr verfärbte es sich ins Gelblich-Bräunliche und blich weiter aus. Schlechte Lagerung oder gar noch Lichteinfall beschleunigten den Zerfallsprozess. Unten sehen wir drei Fotoobjekte mit der Transfiguration von Raffael. Das auf grauem Karton aufgezogene Albuminbild aus dem Atelier Alinari (Originalgröße 25,5 x 19 cm) ist das Älteste. Es stammt aus der Schenkung „Stettiner-Weiss-Gottschewski“ vom Anfang der 1920er Jahre – wobei die Fotografie noch älter ist. Auf der Rückseite trägt es drei Seminarstempel: aus den 1920er, den 1930er und den 1950er Jahren: jedesmal, wenn sich der Name des Seminars änderte, wurde es gestempelt. Das war jedoch NICHT immer üblich.

(In unserer Datenbank finden sich hochauflösende Scans aller drei Fotoobjekte.)

Daneben liegt eine kleinere Reproduktion eines Stiches des Raffaelbildes, unbekannter Provenienz, ohne Seminarstempel, und ganz rechts eine Reproduktion aus den 1950er Jahren einer Aufnahme von Foto Anderson in Rom (Originalgröße 26 x 18 cm). Es trägt Hinweise zu weiteren Reproduktionen auf der Vorder- und Rückseite. Vielleicht sollte es für eine Publikation verwendet werden.

Unter anderem sollte hierbei der Copyright-Stempel des Ateliers wegretuschiert werden! Etwas, was man heute nicht mehr tun dürfte ohne Abmahnungen und Strafen zu riskieren.

Unsere Diakartei verrät, dass es zahlreiche Aufnahmen und Details der Transfiguration gegeben hat. Sie sind jedoch Anfang der 1990er Jahre entsorgt worden. Auch das Anderson-Foto gab es als Dia, als Quelle ist die Fotothek des Seminars vermerkt (der Stempel wurde übrigens NICHT wegretuschiert, jedenfalls nicht für die Dia-Aufnahme):

Die anderen beiden Fotoobjekte erlebten keine Transformation zum Dia – aus Qualitätsgründen vermutlich. Dafür wurde eine Abbildung aus der Kunsthalle benutzt:

Und hier nun zwei Farbdrucke der Transfiguration. Links Originalgröße 33,5 x 23 cm, rechts etwas kleiner 28 x 19 cm. Beide stammen vermutlich aus den 1950er oder 1960er Jahren. Die größere Reproduktion ist extrem blau-gelb-stichig. (Dabei entfernte der Scanner automatisch das Schlimmste, und der „Stich“ musste nachträglich per Bildbearbeitung wieder eingefügt werden.) Aus welchem Druckwerk bzw. Verlag sie stammt, ist unbekannt; die Pappe trägt auch keinen Seminarstempel. Die kleinere, farblich etwas besser gelungene Reproduktion stammt aus dem alten renommierten „Seemann“-Kunstverlag in Leipzig, unter neuem Titel als „Meister der Farbe“.

(In unserer Datenbank finden sich hochauflösende Scans der beiden Fotoobjekte.)

Die Wiedergabe von Farbe war in den meisten Druckwerken trotz großer Anstrengungen lange ein Problem, von einer originalgetreuen Reproduktion konnte letztlich nicht die Rede sein, Feinheiten verschwammen oft im Kontrast. Kunsthistorischen Ansprüchen genügte dies nicht. Man nahm den Verlust der Farbe nicht nur in Kauf, sondern betrachtete farbige Reproduktionen mit größter Skepsis und mied sie lange.

Für die „Otto Normbürger“ war das eher uninteressant. Dia-Verlage boten bis in die 1920er Jahre Kolorationen „nach Original“ an (sehr teuer), und „freie Koloration“, deren Zweck wohl einfach die Aufmerksamkeitssteigerung bei dem Publikum (Kindern ?) war. Dies ist ein solches „frei koloriertes“ Dia eines Stiches der Transfiguration (Originalgröße 8,5 x 8,5 cm), das natürlich NICHT seinen Weg in das Kunstgeschichtliche Seminar fand:

Bild des Monats: April 2022, aus dem Diaarchiv

07. April 2022 ankenapp Keine Kommentare

Florenz – Palazzo del Podestà

Diese Postkarte befindet sich im Bestand der Diakartei des Diaarchivs, im Kasten Nr. 175 mit dem Thema „Architektur Profan bis 1800“. Wie viele andere Postkarten in der Diakartei stammt auch diese aus dem Besitz von Wolfgang Schöne, Professor (Ordinarius) am Seminar ab 1947 bis in die 1970er Jahre. Auf seinen Privatreisen und Exkursionen kaufte er Postkarten, fotografierte und skizzierte selbst. Viele der angekauften Postkarten (diese jedoch nicht) dienten später als Vorlagen für Diapositive, die dann den Vermerk „Foto Besitz Schöne“ trugen. Einige Postkarten sind gelaufen – sie stammen meist von Doktoranden und Studierenden des Seminars – , andere lediglich mit dem Stempel „Bibliothek Wolfgang Schöne“ gekennzeichnet.

Diese Karte des Palazzo del Podestà in Florenz ist etwas Besonderes: sie stammt bereits aus dem Jahr 1925, und wurde von Wolfgang Schönes Vater von einer Reise versendet. Offenbar war das Interesse für die Kunst(geschichte) bei dem damals 15jährigen Wolfgang bereits geweckt, wohl familiär bedingt. Wikipedia hierzu: Wolfgang Schöne war Sohn des Arztes und Hochschullehrers Georg Schöne (1875–1960) und seiner Ehefrau Mary geb. von Seidlitz (1883–1974). Sein Großvater väterlicherseits war Richard Schöne (1840–1922), klassischer Archäologe und von 1880 bis 1905 Direktor der Königlichen Museen zu Berlin, sein Großvater mütterlicherseits Woldemar von Seidlitz, Kunsthistoriker und ab 1884 vortragender Rat in der Generaldirektion der Königlichen Sammlungen Dresden, eine Funktion, die der des Generaldirektors glich.

 

Kathedrale von Amiens im Schutzmantel

06. August 2021 ankenapp Keine Kommentare

Cathedral of Amiens during WW I

Diese beiden Glasdias (Originalgröße 10 x 8,5 cm) aus dem Dia-Archiv des Kunstgeschichtlichen Seminars Hamburg sind keine Dubletten. Auf dem Dia mit Inventarnummer 107516 sehen wir die südliche Querschiff-Fassade von Amiens im „Normalzustand“, vielleicht in den 1950er Jahren. Das Foto, das als Vorlage des Dias diente, war im Besitz von Professor Wolfgang Schöne, ob es aber auch von ihm selbst fotografiert wurde, ist unbekannt.

Das zweite Bild zeigt die südliche Querschiff-Fassade während des Aufbaus der Kriegssicherung aus Sandsäcken, die 1914 angebracht wurde und die Kathedrale innen und außen vor größeren Zerstörungen bewahrte. Die ersten Sandsäcke sind bereits aufgeschichtet. Aber bis zur Höhe des Gerüstes werden noch weitere folgen. Das Foto, das als Vorlage des Dias diente, wurde bei Foto Marburg angekauft (Nr. 162239) und befindet sich als Fotoabzug auch im Fotoarchiv.

Beide Dias wurden von der Fotostelle des Seminars angefertigt, Inventarnummer 42576 in den 1950er Jahren, Inventarnummer 107516 Mitte der 1960er Jahre.

 

Bild des Monats: Mai 2021, aus dem Dia-Archiv

04. Mai 2021 ankenapp Keine Kommentare

Wieder einmal eine Skizze von Wolfgang Schöne!

Dieses Großdia (Originalgröße 8,5×10 cm) reproduziert eine Maßskizze von Wolfgang Schöne aus dem Jahr 1964, angefertigt während einer Frankreichexkursion. Dargestellt ist der Querschnitt eines der Langhauspfeiler der Kathedrale von Autun.

Wie alle Skizzen und Zeichnungen ist auch diese genau datiert und signiert (freundlicherweise für alle nachfolgenden Forscher!). Auf diesem Dia findet sich auch der erste Hinweis, dass die Skizzen in irgendeiner Weise katalogisiert und abgeheftet waren, denn es heißt in der Quellenangabe: 1964, Teil 1. Erhalten hat sich nur ein Ordner im Fotoarchiv.

Der rote Pfeil auf dem Rand zeigt übrigens an, dass das Dia mit dieser Seite nach unten in den Projektor geschoben werden musste (also auf dem Kopf), um richtig auf der Leinwand zu erscheinen. Solche Markierungen in Farbe (oft auch Punkte) erleicherten im (Halb-)Dunkel das Hantieren mit den Dias.

Berliner Siegessäule von „Heliofilm“

23. November 2020 ankenapp Keine Kommentare

Dieses Großdia (Originalgröße 8,5 x 10 cm) enthält das Foto der Siegessäule in Berlin. Es handelt sich um eine Momentaufnahme, wie die in Bewegung befindlichen Personen im unteren Bildfeld zeigen. Das Foto ist außerdem leicht unscharf, genügt kunsthistorischen Ansprüchen also eigentlich nicht. Warum es dennoch Eingang in den Bestand fand, lässt die Inventarnummer „29911“ erahnen: Das Dia wurde etwa 1952 erworben, in den Jahren, da von Wolfgang Schöne mit großem Einsatz trotz geringer Mittel der Ausbau der Sammlung betrieben wurde.

Der Aufkleber auf der Rückseite weist als Hersteller die „Wissenschaftliche Gesellschaft für Films(!!!) und Lichtbilder m.b.H. Berlin W 30 aus, auch bekannt als „Heliofilm“. Bisher wurde noch ein weiteres Dia dieses Herstellers im Bestand des Diaarchivs gesichtet. Dieses zeigt die Fagus-Werke von Gropius. >>HIER<<

Kathedrale von Oben – zwei Skizzen Wolfgang Schönes

24. September 2020 ankenapp Keine Kommentare

Chartres Innenraum

Innenraum der Kathedrale von Chartres

Reims Innenraum

Kathedrale von Reims

 

Diese beiden – man kann wirklich sagen – Kunstwerke zeigen das Innere der Kathedralen von Reims und Chartres aus der „Vogelperspektive“ von der Vierung aus. Es handelt sich um zwei Skizzen von Wolfgang Schöne, die während einer Frankreichexkursion im November 1957 entstanden, wie unten rechts auf dem Blatt vermerkt ist. Diese beeindruckenden Ansichten gehören zu einem großen Konvolut Kopien von Skizzen französischer Architektur, die heute in den jeweiligen Boxen des Fotoarchivs alphabetisch nach den Städten aufgeteilt liegen. Beide Xeroxkopien wurden auf den damals üblichen gelben Karton aufgezogen und auf der Rückseite mit dem runden Stempel „Kunstgeschichtliches Seminar . Universität Hamburg“ versehen.

Von einigen dieser Skizzen wurden  nicht nur Blätter für das Fotoarchiv angefertigt, sondern auch Diapositive. So auch im Fall des Vierungsbildes von Reims, das in doppelter Ausführung als Dia vorliegt (Inventarnummer 57437) und von Chartres, das sogar dreimal vorhanden ist (Inventarnummer 57436).

 

Bild des Monats: August 2019, aus dem Diaarchiv

02. August 2019 ankenapp Keine Kommentare

Dieses Glasdia (Originalgröße 8,5 x 10 cm) wurde in den späten 1960er Jahren von der Fotostelle des Seminars angefertigt. Als Vorlage diente eine Zeichnung von Wolfgang Schöne – und zwar aus dem Jahr 1929, wie die Signatur zeigt. Lange vor seiner Hamburger Professorenzeit hielt Schöne also bereits Baudetails zeichnerisch fest. Im Bestand befinden sich noch weitere Dias nach Vorlagen von 1929, die meisten Schöne-Zeichnungen stammen jedoch aus Exkursionen der 1950er Jahre.

Vernetzte Fotoobjekte

24. April 2019 ankenapp Keine Kommentare

Diese auf Karton montierte Fotografie der berühmten Oberkirche von S. Francesco in Assisi (Originalgröße: 25,5×20 cm) aus dem Atelier Bencini e Sansoni in Florenz scheint auf den ersten Blick nichts Besonderes zu zeigen. Der Karton trägt die Inventarnummer 15660 (oben links)  – das Foto wurde also 1953 erworben, wie das zugehörige Inventarbuch sagt. Auf der Rückseite ist er mit dem damals üblichen Rundstempel „Kunstgeschichtliches Seminar. Universität Hamburg“ bestempelt. Interessant ist jedoch der handgeschriebene Hinweis unten auf dem Karton. Hier heißt es nämlich “ Das mittlere Chorfenster (das in dem Foto zugehängt zu sehen war) durch Retusche ‚geöffnet'“. Als Verantwortlicher dieser Maßnahme ist Professor Wolfgang Schöne auszumachen, der die Pappe mit Schöne I, 54 (Januar 1954) signierte.

Links unten wird schließlich noch vermerkt, dass zu dem Motiv drei Dias existieren. Zwei  der Dias konnten noch aufgefunden werden, darunter das hier abgebildete (Originalgröße 8,5×10 cm) mit der Inventarnummer 33139, auf dem als Quelle auch das Fotoarchiv angegeben ist. Das Dia zeigt den Originalzustand der Fotografie, ohne das ‚geöffnete‘ Fenster.

Ein originaler Fotoabzug oder ein Negativ existieren nicht mehr. Die beiden Fotoobjekte sind ein gutes Beispiel für den Umgang mit Bildmaterial, das für die kunstgeschichtliche Lehre angepasst werden musste, falls die gewünschte Ansicht nicht verfügbar war. In der Tat existieren vom Chor in S. Francesco nur noch ältere Fotos und Dias, bei denen das Mittelfenster durch das große Triumphkreuz ‚verstellt‘ ist.

Röntgenfilm-Dia

12. April 2019 ankenapp Keine Kommentare

Dieses Großbilddia (Originalgröße 8,5×10 cm) mit einer Reproduktion von Abraham Janssons „Venus mit Bacchus und Ceres“ überrascht auf den ersten Blick mit der (ungewohnt) schlechten Qualität: das Bild wirkt leicht verschwommen, mit wenig Kontrast. Ein Blick auf die Rückseite offenbart den Grund: es handelt sich um ein Stück Planfilm, das zwischen den beiden Glasplatten liegt, und nicht um eine belichtete Glasplatte mit Deckglas.

Die Inventarnummer 18333 rechts oben im Bild zeigt den Grund für diese Materialwahl an: das Dia entstand 1946 oder 1947. Aus dieser Zeit haben sich mehrere Rechnungen erhalten, die der Beschaffung von Diamaterial aus Röntgenfilm-Platten gewidmet sind. Reguläre Diapositivplatten waren nicht mehr erhältlich – Röntgenfilm aus diversen Quellen jedoch schon, und seien es Privatbestände von Ärzten. Wolfgang Schöne, der 1946 als Vertreter des Lehrstuhls und ab 1947 als Inhaber desselben am Seminar tätig war, kaufte emsig Röntgenfilm-Platten auf, um die dringend benötigten Dias für seine Veranstaltungen herstellen lassen zu können. Nummer 18333 ist ein solches Zeitzeugnis.

Hier ist ein solches Röntgenfilmdia aus der gleichen Serie ohne Glas zu sehen.

Seite 1 von 2