Die Foto- und Diasammlung

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Das Bildgedächtnis der Hamburger Kunstgeschichte

24. November 2016 ankenapp Keine Kommentare

Willkommen auf dem neuen Blog des Foto- und Diaarchivs des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg! Hier werden Sie von nun an einige Schätze aus unserem Bestand von fast 1 Million Fotos und Diapositiven bewundern können.

Beide Archive wurden simultan seit der Gründung des Lehrstuhls 1921 aufgebaut und kontinuierlich bis 2008 durch Anfertigungen, Ankäufe, Übernahmen anderer Institute und Schenkungen im In- und Ausland erweitert. Weitgehend unbeeinträchtigt durch den II. Weltkrieg hat sich so ein bedeutender Schatz für die Wissenschafts- und Fotografiegeschichte erhalten.

Aus neu mach alt?

13. Juli 2018 ankenapp Keine Kommentare

Diese Fotografie stammt aus dem Nachlass des Kunsthistorikers und Reisedienstleiters Karl-Otto Wolff, der sich seit 2005 am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg befindet. Sie entstand 1989 und zeigt eine Partie des Alten Marktes in Potsdam – einen Bauzustand, der heute so nicht mehr existiert. Zwar steht die Nikolaikirche noch an Ort und Stelle, auf der rechts unten zu sehenden Baustelle wurde jedoch das Residenzschloss rekonstruiert, und 2018 musste auch das markante Gebäude des ehemaligen „Instituts für Lehrerbildung“ im Zentrum der Fotografie den Abrissbaggern weichen. Der zwischen 1970 und 1974 von Sepp Weber entworfene Bau mit Betonguss-Fertigelementen als Fassadenzier beherbergte Unterrichtsräume, eine Mensa und Dienstleistungseinrichtungen.

An seiner Stelle sollen nun „Alt“bauten aus der Zeit Friedrichs des Großen rekonstruiert werden, die den im II. Weltkrieg zerstörten historischen Altmarkt wieder auferstehen lassen. Verschiedene Bürgerinitiativen sammelten Unterschriften und strebten ein Bürgerbegehren gegen die Umgestaltung und zum Erhalt des Baus des ehemaligen „Instituts“ an. Trotz ausreichender Unterschriftenzahl von mehr als 10 Prozent der Stimmberechtigten wurde das Bürgerbegehren von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt, was das Verwaltungsgericht nach Klage durch die Initiatoren im März 2017 für zulässig befand (Quelle: Wikipedia, nach Zeitungsartikel in der MAZ online).

Bild des Monats Juli 2018: aus dem Fotoarchiv: ein mönchisches Stillleben

02. Juli 2018 ankenapp Keine Kommentare

Dieser 19×24 cm große Albuminabzug aus der Fotothek des Hamburger Kunstgeschichtlichen Seminars, vermutlich aus der Werkstatt der Fratelli Alinari, zeigt nicht nur ein Detail des Kreuzgangs der Kartause in der Nähe von Florenz, sondern überrascht mit einer pittoresken Gruppierung der dort lebenden Mönche, die den kunsthistorischen Aspekt des Kreuzgangs in den Hintergrund drängen. Eine Wiedergabe des Klosteralltags sollte dieses arrangierte Gruppenfoto, das dem heutigen Betrachter an ein Kinoplakat für den „Namen der Rose“ erinnert, sicher nicht sein. Zumal den Kartäusern, einer der strengsten monastischen Orden, sehr an Zurückgezogenheit und Abstand zur Außenwelt gelegen war. Noch weitere Fotografien dieser Serie aus der Kartause zeigen Mönche beim Gebet, beim Wasserholen am Brunnen und in divesen Räumlichkeiten des Klosters. Auch diese Szenen sind arrangiert, um nicht zu sagen durchkomponiert. Den Mönchen scheint dabei die Rolle der „exotischen Eingeborenen“ auf zeitgenössischen Orient- oder Afrikafotos zuzukommen. Sie beleben die alten Mauern und Kunstwerke mit einem romantischen, exotisierenden Element.

Die Certosa San Lorenzo di Galluzzo war im Mittelalter und von 1866 bis 1958 von Kartäusermönchen besetzt (heute von Zisterziensern). Vielleicht entstanden diese Fotografien als eine Art Werbung für das Kloster kurz nach dessen neuer Besiedelung. Die Fotoserie gelangte über die Schenkung „Stettiner-Weiss-Gottschewski“ Anfang der 1920er Jahre in die Sammlung der Fotothek

(Un)schuldig!

26. Juni 2018 ankenapp Keine Kommentare

Dieses Kleinbilddia (Originalgröße mit Rahmen 5×5 cm) zeigt das „Marx-Engels-Forum“ in Berlin mit den Statuen der beiden Sozialphilosophen vor der Spiegelglasfassade des „Palastes der Republik“. Es stammt aus einer Schenkung, die dem Kunstgeschichtlichen Seminar zum Aussortieren des Brauchbaren überlassen wurde. Auf den ersten Blick scheint diese Privataufnahme ein harmloses touristisches Relikt und – ohne Vergrößerung betrachtet – auch uninteressant, zumal das Gegenlicht für eine relativ starke Abschattung der Figurengruppe sorgt. Am Ende des ersten Blickes rückte daher die Entscheidung ‚Papierkorb‘ in die Nähe.

Interesse weckte dann allerdings der Hinweis auf der Diaschachtel, dass die Aufnahme 1991, also kurz nach der Wiedervereinigung, entstand. Damit fiel die Entscheidung, das Dia und seine übrigen Begleiter quasi als Zeitdokumente zu bewahren und zu digitalisieren. Nach dem Scan und einer kurzen Bearbeitung offenbarte das Dia seine eigentliche Bedeutung als Zeuge der „Wende“ und der kulturellen, aber auch ganz persönlichen Probleme, mit denen sich die ehemaligen Bürger der DDR auseinandersetzen mussten: Auf dem Sockel des Denkmals stand offenbar der Schriftzug „Wir sind unschuldig“, womit wohl gemeint ist, dass die ursprüngliche Philosophie von Marx und Engels an den Entgleisungen im Sozialismus der DDR und der übrigen osteuropäischen Staaten nicht schuld sei. Ein zorniger Bürger (ob aus Ost oder West sei dahingestellt) übersprayte den Satz, so dass er sich nunmehr liest „Wir sind schuldig“. Eine andere (?) Person bemalte auch die Hände und Füße der Marxstatue mit roter Farbe, vermutlich, um die blutigen Hände der sozialistischen Staatsmacht zu versinnbildlichen. Ungeachtet dieser Attacken auf das Denkmal liegen auf dem Sockel neben Friedrich Engels auch einige Blumen.

Der „Palast der Republik“ ist seit langem abgerissen – an seiner Stelle befindet sich der fast fertige Neubau des alten Berliner Stadtschlosses. Das Marx-Engels Denkmal steht noch, wurde jedoch an einen anderen Platz an der Karl-Liebknecht-Straße versetzt.

Ein kopfloser Kämpfer

22. Juni 2018 ankenapp Keine Kommentare

Diese beiden Glasdias (Originalgröße 8,5×10 cm) stammen aus dem Besitz des Archäologischen Seminars der Universität Hamburg und befinden sich seit 1966 im Besitz des Kunstgeschichtlichen Seminars. Die beiden Exemplare zeigen eines der berühmten Reliefs des Athener Parthenons mit der Schlacht der Kentauren gegen die Lapithen. Sie illustrieren aber auch auf drastische Weise den Umgang mit archäologischen Fundstücken in früherer Zeit, die sei es aufgrund von Abmachungen oder unterschiedlicher Fundhistorie, zwischen diversen Sammlungen aufgeteilt wurden.Die Konzentration des Lichtbildes auf diese eine Reliefplatte sorgt zusätzlich für eine Fragmentation des Eindrucks des Originalstandortes, der bei den Betrachtern der Dias – Archäologiestudenten und -professoren – wohl vorausgesetzt wurde.

In diesem Fall befindet sich der größte Teil des Reliefs mit den Körpern der Kämpfenden im British Museum in London – der Kopf des Lapithen hingegen im Akropolismuseum in Athen. Das Dia mit der Inventarnummer 8151 zeigt das kopflose Relief, entnommen aus der Publikation „The Sculptures of the Parthenon / with an introduction and commentary “ von  A.H. Smith aus dem Jahr 1910. Das Dia selbst entstand vermutlich in den 1940er bis 1950er Jahren (die Inventarbücher der Archäologen sind leider verloren, so dass hier keine genaue Aussage getroffen werden kann).

Das Dia mit der Inventarnummer 20316, wohl aus der Mitte der 1960er Jahre, zeigt die beiden Fundstücke aus dem British Museum und dem Akropolismuseum vereint. Als Vorlage der Fotografie diente eine Tafel aus dem augenblicklich nicht zu identifizierenden „Ephemeris“ aus dem Jahr 1923. Dem Aussehen nach zu urteilen wurde eine Gipsreplik des Kopfes für die Fotografie benutzt und nicht eine Negativcollage angefertigt.

Life without people ?!

18. Juni 2018 ankenapp Keine Kommentare

Diese beiden Fotografien zeigen die Kathedrale von Palermo. Während auf der Postkarte (vermutlich 1950er Jahre) das städtische Leben in der Form von parkenden oder fahrenden Autos und zahlreichen Passanten eingefangen ist, sind auf dem älteren Albuminabzug des Ateliers Sommer aus Neapel überhaupt keine Menschen zu sehen. Die Kathedrale und die Straßen wirken wie ausgestorben, fast wie ein Architekturmodell. Damit bietet sie dem Kunsthistoriker eine gute Vorlage, um unabgelenkt den Gesamtbau und kleine Details wahrnehmen zu können. Die Größenverhältnisse sind allerdings nur mehr im Vergleich der Straßenlaterne rechts im Bild und der Büsche zu erraten. Die Stellung der Kathedrale als Mittelpunkt in einer belebten Stadt und eben nicht auf einem abgezäumten Museumsgelände geht dagegen völlig verloren. Auch die Altersbestimmung der Aufnahme fällt ohne ‚Beiwerk‘ schwer, während Kleidung der Menschen und Automobile die Postkarte zeitlich einordnen können.

Im Blick auf historische Fotografien finden viele Menschen heute oft gerade das ‚Beiwerk‘ interessant, fragen sich, wer die Menschen im Foto waren, ob sie absichtlich als Staffage gruppiert oder tatsächlich zufällig vor die Linse gerieten. – Um Personenschutz machte sich damals niemand Gedanken. Maschinen und Baugerät können Hinweise auf Restaurierungsarbeiten und Veränderungen im Stadtbild liefern, Schienen, Stromleitungen, Straßenbahnen und Busse auf die Motorisierung rings um die alten Bauwerke.

Dennoch: auch heute bemühen sich professionelle – wie Hobbyfotografen bei der Aufnahme eines historischen Gebäudes oft, möglichst wenig ’störende‘ Menschen und Autos im Bild zu haben. Stromleitungen und Ähnliches werden gern nachträglich wegretuschiert. Damit entstehen in gewisser Weise alterslose, aber auch austauschbare Fotografien.

Bild des Monats: Juni 2018, aus dem Dia-Archiv: der Moskauer Leninprospekt

05. Juni 2018 ankenapp Keine Kommentare

Das Kleinbilddia (Originalgröße 5×5 cm), dessen Bildträger oben zu sehen ist, stammt aus einer Schenkung. Es zeigt den Moskauer Leninprospekt und den Oktoberplatz mit der Leninstatue im Jahr 1987. Das Dia ist Nummer 1 einer Serie von 25 Kleinbilddias, die vom sowjetischen Propagandabüro, Abteilung Kino, herausgegeben wurde. Der Papprahmen jedes Dias ist mit einer kurzen Information zum Dargestellten versehen – andere Serien der gleichen Zeit drucken auch passende patriotische Zitate auf die Rahmen. Damit sind die sowjetischen Touristikdias nicht nur ein Zeugnis heute so nicht mehr anzutreffender Stadtbilder, sondern auch des sowjetischen Selbstverständnisses und der Inszenierung vor der eigenen Bevölkerung, aber auch ausländischen Gästen.

Der originale Bildträger wies einen starken Magentastich auf, konnte jedoch mithilfe der Bildbearbeitung in den hier zu sehenden Zustand rückgeführt werden.

eLaterna – Historical Art of Projection

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Die neue Webseite der Universität Trier ist online! Eine Fundgrube zum Thema Projektion und Glasdias in der europäischen Kultur – nicht nur in der Kunstgeschichte!

http://elaterna.uni-trier.de/#/

Mini-Ausstellung neu bestückt

29. Mai 2018 ankenapp Keine Kommentare

Die kleine Vitrine im Flur des Kunstgeschichtlichen Seminars ist neu bestückt worden, diesmal mit einer Auswahl an Diaschachteln und -kästen nach dem Motto: Wie kann ich meine Dias am sichersten aufbewahren und wie schnell komme ich von ‚Aufbewahrung‘ zur ‚Projektion‘. Zahlreiche Firmen haben sich bis in die 1990er Jahre darüber Gedanken gemacht.

Die Objekte stammen aus dem Kunstgeschichtlichen Seminar und aus der Sammlung ‚Dia-Versum‘ von A. und J. Napp.

Fromme Gläubige in der Kirche von St. Wandrille-Rancon

18. Mai 2018 ankenapp Keine Kommentare

Dieses Großformat aus dem Fotoarchiv (Originalgröße 29×39 cm) zeigt ein Detail einer Kirche, das mit „St. Wandrille (Seine-Inférieure), Croix et statues dans l‘ église“ beschriftet ist. Es handelt sich nicht um die – nur als Ruine erhaltene – Kirche der Abtei von St. Wandrille, sondern um die St.-Michaelskirche im zugehörigen Dorf St-Wandrille-Rancon. Von der Architektur des Bauwerks ist nichts weiter zu erkennen, dafür zeugen aufgehängte Rosenkränze, Bänder und Blumen an Kreuz und Heiligenstatuen von einer lebendigen Frömmigkeit der Kirchenbesucher.

Die identifizierbaren Heiligenstatuen  (nur ein Teil der in der Kapelle installierten) stellen Eutropius von Saintes, den Hl. Laurentius, König Ludwig von Frankreich und Saturnin von Toulouse dar. Skurril ist die dunkle Flüssigkeitsspur über der Statue des kopflosen Heiligen (Dionysius?), die in diesem Zusammenhang tatsächlich wie eine Blutspur infolge der Enthauptung wirkt.

Bei der leicht sepiagetönten Abbildung handelt es sich vermutlich um einen sogenannten Gummidruck, der auf Pappe aufgezogen wurde. Auf der Rückseite trägt die Pappe den bis 1933 üblichen Stempel des Kunstgeschichtlichen Seminars. Wann genau die Fotografie in den Besitz des Seminars gelangt ist, ist nicht bekannt.

Ein Blick in den heutigen Zustand der Kapelle überrascht mit der teilweise noch vorhandenen farbigen Fassung der Figuren. Die Äußerungen der Frömmigkeit sind allerdings bis auf zwei kleine Teelichter verschwunden. Eine dem französischen Kulturerbe gewidmete Internetseite identifiziert unser Fotoarchiv-Foto als Aufnahme des Fotografen Séraphin-Médéric Mieusement (1840-1905).

Just found: Der Kölner Dom

09. Mai 2018 ankenapp Keine Kommentare

Diese hochwertig aufgemachte Mappe mit Kupfertiefdrucken, einem Farbdruck und einer den Wandelaltar nachbildenden Klapptafel stammt aus dem Angelsachsen-Verlag, der in den 1930er und 1940er Jahren mehrere dieser Mappen zu Themen deutscher Kunst herausbrachte. In dieser Mappe findet sich als Besonderheit eine Widmung des Autors, Hermann Schnitzler: „Mit herzlichen Wünschen zugeeignet, 19. 8. 1937.“ Einen Institutsstempel trägt „Der Kölner Dom“ nicht. Daher ist nicht zu sagen, ob die Mappe 1937 als Schenkung ins Fotoarchiv gelangte – oder erst mit weiteren Mappen des Angelsachsenverlags 2012 in einer Schenkung von Martin Warnke. Einen Blick in ihr Innenleben lohnt sich aber auf jeden Fall!

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